Wellington I

Die Fahrt in die Hauptstadt Neuseelands

Auch lange Busfahrten können interessant sein. Aber diese war es nicht. Das regnerische und nebelverhangene Wetter liess keine grossen Blicke auf die so gepriesene Landschaft Neuseelands zu. So sieht „mein“ Neuseeland im Moment aus, durch verregnete Busfenster (am Taupo-See), oder wenn man einen Halt macht, sinnigerweise in einem Kaff, das den Gummistiefeln ein Denkmal gesetzt hat …P1010989x P1020004                                                 Erste Eindrücke 

Habe mich in einem günstigen Appartementhaus eingemietet (ca. 35 Franken pro Tag). Alles tipptopp. Liegt im Zentrum, und ich kann alles Wichtige zu Fuss erreichen (hat mir der Taxifahrer gesagt; und es stimmt!).P1020018 Aber mein Zimmer hat eine bemerkenswerte Eigenschaft (besser: Tücke): Diagonal vom Boden bis zur Decke zieht sich ein stählener Doppel-T-Träger. Musste mich erst an ihn gewöhnen und habe schon mal meine Hirndose daran angeschlagen …P1020075Der Tag darauf war wettermässig wunderbar und ich durchstreifte ein paar Stunden lang die Stadt. P1020024x P1020026xx P1020035xAn der Waterfront mit den vielen renovierten und neuen Zwecken zugeführten ehemaligen Lagehäusern lässt es sich gut entspannen. Man kann spazieren, auf Bänken die Aussicht auf die Bucht geniessen, joggen, Velo fahren, in eines der Restaurants einkehren. Es gibt Kinderspielplätze und sogar eine kleine Eisbahn (wo der Eismeister fast ausschliesslich damit beschäftigt ist, das Schmelzwasser von der Eisfläche zu schieben).P1020037x P1020041 P1020045 P1020047 P1020204Galerien, Museen und die Anlegestelle der Bluebridge Cook Street Ferry befinden sich ebenfalls hier.P1020057x P1020058x P1020059 P1020065x Gegenüber vom Parliament, am Lambton Quay, steht das größte Holzhaus der südlichen Hemisphäre. Es sieht aus wie aus Marmor gebaut, und dieser Eindruck solte auch entstehen. Es sollte, einer Mode des 19. Jahrhunderts entsprechend, einem italienischen Steinpalast gleichen. In Tat und Wahrheit besteht es aber aus Kauri-Holz, einem der besten Hölzer des Landes. Heute wäre das nicht mehr möglich, weil die Kauri-Wälder alle unter Naturschutz stehen.P1020068xImmer wieder entdeckt man inmitten der neuen Beton-, Glas- und Stahlbauten bewusst erhaltene und gepflegte alte Häuser.P1020069 P1020070xDas war’s von gestern. Heute, wo ich diesen Beitrag schreibe (Donnerstag, 17. April) ist es wieder trüb und regnerisch. Es scheint, dass einige meiner Pläne in diesem Land buchstäblich ins Wasser fallen. Zum Glück ist Wellington eine abwechslungsreiche Stadt (gefällt mir besser als Auckland).  So sah es heute Nachmittag aus:P1020092Noch eine Bemerkung zu den Fotos: Es tut mir leid, wenn ich nicht solche Bildmaterial liefern kann, wie ich möchte. Aber mir ist – es muss in Chile auf der Reise zwischen Iquique und Santiago passiert sein – ein weiteres Missgeschick passiert: Der optische Zoom der zweiten Kamera ist ausgefallen. Es muss ein mechanischer Schaden sein. So bleibt mir nur noch die Weitwinkeleinstellung und ein (3-facher) digitaler Zoom. Letzteren werde ich allerdings – aus bekannten Gründen (miese Bildqualität) – praktisch nie einsetzen. Deshalb arbeite ich jetzt halt mit Bildausschnitten (was ihr an den unterschiedlichen Bildformaten sicher bemerkt habt).

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Bye-bye Auckland

Es geht weiter!

Heute Sonntag (13. April) besuchte ich noch das Auckland Museum. Ein Riesengebäude auf einem Hügel mit riesigem Park, der Auckland Domain. Beeindruckt hat mich vor allem die Abteilung über die Maori, in der auch ein 25 Meter langes Kriegsboot präsentiert wird. Was dieses Volk geschaffen hat, an Gebrauchsgegenständen, Waffen, Skulpturen, Schmuck, usw., ist unglaublich. Und schön! Man könnte sich Tage lang inspirieren lassen.P1010941 P1010945 P1010946

Ich war ja vor wenigen Tagen auf dem Vulkan Rangitoto. Die Wissenschaftler sind sich ziemlich sicher, dass dieser vor 600 Jahren entstandene Vulkan nicht tot ist, sondern schlummert. In der Museumsabteilung über Vulkanismus habe ich eine Demonstration erlebt, was bei einem Ausbruch eines Vulkans in der Bucht vor Auckland geschehen könnte. Ich drängte mich mit etwa 30 andern Leuten in einen engen Raum, der wie ein Wohnzimmer eingerichtet war. Es lief ein Ferneher. Eine Reporterin interviewte verschiedene Persönlichkeiten über die Wahrscheinlichkeit und die Folgen eines Vulkanausbruchs. Man sah zu einem Fenster hinaus, in dessen Hintergrund der Rangitoto zu sehen war. Hunde bellten immer aufgeregter. Im Meer erschienen nie dagewesene Wirbel und Verfärbungen. Plötzlich Rumpelte die ganze Hütte, in der wir waren, der Strom fiel aus, kein Fernseher mehr. Dann, im Fenster, immer heftigere Strudel in der Meerbucht. Und dann ein Knall wie von hundert Kanonen. Wie ein Atompilz schoss aus dem Meer eine schwarzgraue Wolke hervor, breitete sich aus und wurde grösser und grösser. Der Lärm wurde bestalisch, Wände und Boden unserer Hütte bebten (wir mit). Dann schoss eine Rauch- und Aschenwolke auf uns zu, eine Tsunamiwelle war kurz noch sichtbar. – Dunkel! Aus! – Das Licht ging wieder an. Die sehr eindrückliche Vorstellung war vorüber.

Diese Vorstellung war eindeutig auch auf die AuckländerInnen zugeschnitten. Sozusagen ein Lehrstück, auf welche Zeichen man achten sollte (Verhalten der Tiere, ungewöhnliche Strömungen und Strudel im Meerwasser, usw.), Die Regierung hat Evaquierungspläne, soviel wurde mir auch klar. Neuseeland ist eines der  Länder, die am Pazifischen Feuerring liegen, wie Chile und viele andere (ganz Amerika bis Alaska, Japan, Philippinen, teilweise Indonesien).

Wenn man in Auckland ist, dann ist dieses Museum ein Muss!

Aber jetzt ist fertig gebloggt. Ich muss den Rucksack packen. Morgen früh fahre ich in die Hauptstadt Wellington. Goodbye bis dann!

„Glühwürmerhöhlen“ in Waitomo

Ein total verregneter Tag, aber ein märchenhaftes Erlebnis

Es scheint, in Neuseeland zieht der Herbst ein. Am Freitag, 11. 04., fuhr ich per Bus zu den berühmten Waitomo Glowworm Caves. Die Landschaft war von Nebel verhangen, es regnete die meiste Zeit. Für’s Fotografieren kein Anlass. Derweil unterhielt uns der Busfahrer fast pausenlos mit Geschichten über Neuseeland, oder er versuchte zu erklären, was wir sehen würden, wenn das Wetter eben, usw. … Die Busfahrer als Dauerunterhalter der Fahrgäste, so etwas habe ich noch nie erlebt. Auf der dreistündigen Rückfahrt hatten wir einen anderen Fahrer, und der tat genau dasselbe. Und ich bekam Riesenrespekt vor dem Wissen dieser Fahrer!

Bei den Höhlen angekommen, wurde man gleich am Eingang darauf aufmerksam gemacht, dass Fotografieren verboten ist. Ich erlaube mir deshalb, einige Fotos von andern (offiziellen) Websites zu übernehmen.

Was sind diese „Leuchtwürmer“? Ich übersetze hier in etwa den Text aus der offiziellen Website der Waitomo-Höhlen: Der Lebenszyklus des Glowworm hat vier Stadien und dauert 11 Monate. Das erwachsene Tier gleicht einem Moskito. Es lebt nur drei Tage (darum besitzt es auch keinen Mund; seine einzige Aufgabe ist es, die Fortpflanzung zu garantieren), und es legt ca. 30-40 Eier an den Wänden und Decken der Höhlen ab. Nach 3 Wochen schlüpfen die Larven und beginnen zu leuchten. Sie bauen ein Nest und sondern glänzende, klebrige Fäden ab, an denen andere Insekten hängen bleiben und so als Futter dienen. Diese Phase dauert 9 Monate. Danach verpuppen sie sich; aus der Puppe entschlüpft nach 2 Wochen das Insekt, und der Zyklus beginnt von neuem.Waimoto 01 Waimoto 02

Die caves sind prachtvolle Tropfsteinhöhlen. Sie wurden 1904 von James Holden für Besucher zugänglich gemacht. Den Maori waren sie schon seit 500 Jahren bekannt. Waimoto 05 Waimoto 06

Am Ende der Führung besteigt man ein Boot, das einen auf einer langsamen, 10-minütigen Fahrt zum Ausgang bringt. Obschon wir etwa zwei Dutzend Leute im Boot waren, hörte man während der ganzen Zeit keinen einzigen Mucks. Zu fantastisch und unwirklich war das, was man zu sehen bekam. Und es wurde einem wieder einmal bewusst, in welch extremen Formen Leben auf diesem Planeten überhaupt vorkommt. Tausende leuchtende Punkte, die so hell strahlten, dass sich ihr Licht in den Fäden widerspiegelte und brach. Es sieht so aus aus wie ein superklarer Sternenhimmel, an dem aber die Sterne mit einem Lichtnetz verbunden sind.Waimoto 03 Waimoto 04

P1010910In diesem Gebiet wurden auch die Filme der Middle-earth Trilogy (Herr der Ringe) gedreht.

Ein lohnendes Erlebnis. Jetzt muss ich mir aber Gedanken darüber machen, wie es weitergeht, wenn das Wetter so anhalte sollte. Das bringt Umstellungen in meinen Plänen …

Auckland III – Vulkaninsel Rangitoto

Vor 600 Jahren entstanden

Diese 23 km² grosse Vulkaninsel ist vor etwa 600-700 Jahren aus dem Meer aufgetaucht. Sie ist nicht nur von oben fast rund, sondern besitzt auch eine markante, symmetrische Silhouette.

Der Katamaran, der mich rüberbrachte, hatte nur etwa 40 Passagiere an Bord. Es wurde eine wunderschöne, einsame Wanderung auf einer unbekannten Insel auf unbekannten Wegen an einen unbekannten Ort. Der Weg führt über fast schwarze Vulkanasche und -schlacke und durch den grössten Pōhutukawa-Wald Neuseelands auf den 260 m hohen Berg.P1010837 P1010871 P1010874Oben angekommen, blicke ich wieder einmal in einen Vulkankrater, total mit Bäumen bewachsen, vielleicht 300 m Durchmesser und 100 m tief.P1010841 Die Aussicht auf das Meer und die vielen Inseln in und um die Bucht von Auckland ist phänomenal. Die Insel selber ist völlig bewachsen mit den Pōhutukawa-Bäumen. (Der Forst wurde in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts von Sträflingen angelegt.) Dieser Baum wird auch Neuseeländischer Weihnachtsbaum genannt, weil er im Dezember prächtig blüht. –  Es gibt kein Restaurant auf der Insel, und das Mitbringen von Essen und Trinken ist streng geregelt. Nichts soll die natürliche Entwicklung der Natur hier stören.P1010843 P1010848Es gibt einige hundert Meter vom Krater entfernt Vulkanschlote, in die man hineinklettern kann. Dazu hatte ich extra eine Taschenlampe mitgenommen. Seltsames Gefühl, sich ganz allein in engen Tunnels zu befinden, durch die mal Lava hinausgespien wurde. Ich fühlte mich der „Mutter Erde“ noch selten so nahe …P1010864 P1010866Wäre gern noch etwas geblieben, aber die Zeit drängte. Das letzte Boot wartete. Das wars für diesen Tag (Donnerstag, 10.04). Noch ein Blick zurück …P1010890… und vorwärts auf die schöne Silhouette Aucklands (die meiner Meinung nach nur zur Wirkung kommt dank der Nadel des Sky Towers; geniale Idee, diesen Turm genau an der richtigen Stelle zu bauen!).P1010896

Auckland II – Pärke und „Berge“

Auckland ist eigentlich keine Stadt, sondern – seit 2010 – eine Verwaltungseinheit. Sie liegt geografisch auf dem sogenanten „Aucklandfeld“, unter dem etwa 50 Vulkane schlummern (die meisten glauben, sie seien endgültig erloschen). Fast 1.5 Millionen Menschen leben hier, das ist ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes. Aufgrund ihrer Geschichte leben hier Menschen unterschiedlichster Kulturen. Von daher gesehen, ist es die bunteste Stadt, in der ich je gewesen bin.

Albert Park – Mt. Eden – Einfamilienhäusermeer

Die eigentliche City Aucklands ist nicht sehr gross, übersichtlich und gut zu Fuss zu erwandern. Sie unterscheidet sich nicht gross von andern Städten, was die Art und Gestaltung der Shops betrifft, oder der Restaurants. Alles ist hier etwa so gestylt wie bei uns. Die Kellner tragen dieselben langen schwarzen Schürzen, usw. „Globalisierung“ im langweiligsten Sinn. Was es hier allerdings gibt, und was die ganze gestylte Szene immer wieder unterbricht, sind unzählige kleine Imbissbuden, die fast alle von Chinesen, Koreanern, Pakistani, usw. geführt werden. Hier erhält man zu günstigem Preis teilweise hervorragendes food.

Der Albert Park ist die einzige grüne Oase, die sich wirklich in der City befindet. Am Rande davon gibt eine grössere Anlage, in der das Auckland Museum steht.P1010693 P1010699 P1010704 P1010707Es gibt in der Stadt ein paar Hügel, alle vulkanischen Ursprungs (sog. Schlackenkegel), die als Erholungszonen und Aussichtspunkte dienen. Der berühmteste und höchste (196 m) ist der Mount Eden, zwei weitere der Mount Hobson und der One Tree Hill. Am Mittwoch (9.4.) bin ich dort hinauf. Oben schaut man in einen 50 m tiefen, grasbewachsenen Krater, und die Aussicht vom Hügel ist wirklich interessant.P1010799Der Blick auf die riesige Stadt enthüllt nämlich ihre Siedlungsstruktur. Es ist ein unglaubliches Meer von sicher zehntausenden Einzelfamilienhäusern und (vor allem) -häuschen. Dass das auch verkehrsmässig Riesenprobleme – Pendlerverkehr! – bedeutet, wurde mir bewusst, als ich von einer Autobahnbrücke einmal den Verkehrsstau beobachtete. Ich habe gelesen, dass die Stadtregierung ernsthafte Pläne hat, diese Zersiedelung zu stoppen und die Menschen endlich in grösseren Wohnhäusern unterzubringen. Ich hoffe, dass ihr das gelingt! (Einige von Euch wissen, wie ich über Einfamilienhäuser und Zersiedelung denke …)P1010797 P1010801Noch ein par Aufnahmen aus der City (Alt neben Neu) …P1010713 P1010756 P1010765… und aus dem weltberühmten Yachthafen.P1010727 P1010733 P1010737

Auckland – Ākarana I

Mein letztes Erlebnis vor dem Abflug in Santiago de Chile war tatsächlich noch ein Erdbeben. Ich befand mich gerade in der Duty-Free-Abteilung, als mit Getöse Dutzende von Flaschen und andere Gegenstände aus den Regalen flogen. „Earthquake, Eartquake!“ schrie ein Angestellter auf Englisch. Die Leute versammelten sich rund um die starken Stahl- und Betonpfeiler in den Verkaufsräumen. Ich tat es ihnen gleich. Klar, wenn die Decke einstürzt, ist es hier am sichersten. Es fühlte sich tatsächlich an, als ginge ich auf einer dicken Schicht Sülze oder Wackelpudding. Dann lachten alle. Und es roch – zerschlagene Flaschen –  penetrant nach Wein und Whisky … – Danach kam wieder so ein zermürbender 12-Stunden-Flug.

Tāmaki-makau-rau – „Eine junge Schönheit mit 100 Liebhabern“

Tāmaki-makau-rau, so heisst diese Stadt in der Sprache der Maori. Ākarana ist die Übersetzung von „Auckland“ ins Maorische. Auckland liegt auf nicht weniger als 48 (heute inaktiven) Vulkanen. Deshalb die vielen Hügel und wunderschönen Parkanlagen. 1.4 Millionen Menschen leben in dieser Stadt und Agglomeration; das ist ein Drittel der gesamten Bevölkerung des Landes! Ein Grossteil der Menschen hier hat europäische Wurzeln, vor allem britische. Die Ureinwohner machen etwa 11% aus. Mir ist sofort aufgefallen, wieviele Menschen hier aus ost- und südasiatischen Ländern kommen (es sind etwa 20%), und etwa 15% stammen aus dem pazifischen Raum, wo die tausend kleinen Inseln sind. Verschiedenste Kulturen vermischen und durchdringen sich hier auf einmalige Art. Und das ist für mich schon mal etwas sehr Beruhigendes, Aufgestelltes und (positiv) Aufregendes. Aber zunächst fühlte ich mich mal so:P1010610Wie immer, unternahm ich meine ersten Erkundigungen zu Fuss. Ich lief die Queens-Street runter, zum Hafen, und nahm gleich eine Fähre nach Devonport. Von dort soll man einen schönen Blick auf die Stadt und die umliegenden Buchten und Inseln haben. Hier das, was gerade am Weg lag: die Town Hall, eine spiegelnde Fassade, ein Blick auf den Sky Tower (hinten, der aussieht wie ein Dart-Pfeil, 328 m, höchstes Gebäude der Südhalbkugel), und in die Bahnhofshalle von Britomart,wo auch die Fernzüge nach Wellington abfahren (brauche ich vielleicht später).P1010611 P1010613 P1010614 P1010622Dann die Fahrt nach Devonport. Das Dorf ist ein beliebter Ausflugsort der Städter, mit unzähligen Restaurants, Book-Shops und Galerien.P1010634 P1010638xP1010644Als ich dem Ufer entlang schlenderte, hatte ich plötzlich das Gefühl, mich in wohlbekannter Umgebung zu befinden: am Bodensee! Alles stimmte, das Plätschern der Wellen, die Uferpromenade, die Pflanzen … Halt! Das sind natürlich Bäume, die es bei uns nicht gibt …P1010646 P1010650Zwei Hügel erlauben eine wunderbare Aussicht. Diese Hügel sind (heute inaktive) Vulkane, Mount Victoria und North Head. Auf ihnen befinden sich alte Artillerie- und sonstige militärische Befestigungwerke.P1010661 P1010668 P1010671Diese Vulkaninsel heisst Rangitoto, der Vulkan ist 260 m hoch. Wenn möglich, fahre ich übermorgen oder so mal hin. P1010658Diese Fliegenpilze sind Kappen von Lüftungsschächten. Für die alten Festungen? Es wirkt fast surreal …P1010681Diese Stadt scheint wirklich Klasse zu sein! Schön anzusehen ist sie allemal. Ich werde sie die nächsten Tage weiter erkunden. Und ihre Umgebung. Habe mich nämlich entschlossen, etwa eine Woche hier zu leiben. Es kommt mich billiger, als in andern Orten nach Hotels zu suchen (die Preise sind happig!), und vor allem kostet es mich weniger Nerven. Es gibt viele Tagesausflüge von hier aus. Das versuche ich etwas auszunutzen. Bis bald!P1010684

Santiago de Chile II

Eine Stadt wie in Europa?

Die Menschen und ihre Stadt hier unterscheiden sich von allem, was ich bisher in Südamerika gesehen habe. Der indigene Bevölkerungsanteil ist hier klein, ich könnte mich geradeso gut in einer süd- oder mitteleuropäischen Stadt befinden. (Nur, zum Unterschied zu Buenos Aires ist mir bisher noch nichts eingefallen; es gibt ihn, er dürfte vor allem in der Mentalität der Menschen liegen.)

Santiago erhält für mich erst allmählich ein Gesicht. Zuerst fühlte ich mich nicht so richtig wohl hier. Zu hektisch, mindestens in der City. Die Leute hetzen hier herum, rasen durch die Strassen und über die Plätze, scheinen immerwährend beschäftigt zu sein. Kein Unterschied zu Zürich oder New York. Die Läden in der City scheinen fast nur für solche bestimmt, die auch das entsprechende Einkommen haben. Shopping, shopping, shopping …

Einige Strassen sind verkehrsfrei. Sie dienen allein dem Shopping und sind für mich etwa so interessant wie die Zürcher Bahnhofstrasse – also überhaupt nicht.

Das Gebäude mit dem Turm ist das alte Feuerwehrhaus. Es beherbergt heute mehr oder weniger teure Geschäfte.P1010503Santiago und die Uhren: Keine einzige Kirchturmuhr, die ich gesehen habe, funktionierte. Bei allen ist sie irgendwann stehen geblieben. Nicht einmal in der Hauptpost (ich musste dort 1 Stunde (!) anstehen, bis ich zwei Postkarten los war) gibt es eine Uhr. Chile scheint zeitlos zu sein … Hier die – wirklich schöne – Schalterhalle:P1010466Der Mercado Central ist absolut sehenswert. Im äusseren Bereich gibt es hier einen riesigen Fischmarkt, und im Inneren reiht sich Restaurant an Restaurant. Würde ich hier leben, wäre das für mich als Fischliebhaber eine wichtige Adresse!P1010492 P1010498Am Abend des zweitletzten Tages stieg ich auf den 70 m hohen Cerro Santa Lucia. Auf diesem Hügel gründete 1541 Pedro de Valdivia die Stadt. Man hat von hier einen wunderbaren Überblick über Santiago. Leider war das Wetter die ganze Zeit über dunstig, so dass man von den Anden praktisch nichts sehen konnte. Nur blass schimmerten ein paar der schneebedeckten Bergriesen durch, hinter dem Gran Torre, mit 303 m das zurzeit höchste Gebäude Südamerikas.P1010510 P1010513 P1010517 P1010546xxRund um den Hügel erstreckt sich ein öffentlicher Park. Der Cerro Santa Lucia ist nicht nur für Touristen attraktiv, sondern auch bei den Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel.P1010530P1010526Noch zwei Bilder von Gebäuden rund um den Hügel:P1010509 P1010533Zwei Aufnahmen von einem früheren Bahnhof. Schöne Eisenkonstruktion, dient heute für Ausstellungen und Messen:P1010473 P1010480xDiese neugotische Kirche scheint ernsthafte Schäden zu haben (sieht nach Erdbebenfolgen aus):P1010488Das hier ist die Iglesia San Francisco, die älteste Kirche der Stadt (1586; Turm 1857). Ihr konnte bisher kein einziges Erdbeben etwas anhaben. Südlich hinter ihr versteckt sich ein kleines Quartier mit schönen Häusern aus den 1920er Jahren. Die gepflästerten Strassen unterscheiden sich vom gesamten Zentrum, indem sie nicht gerade und rechtwinklig zueinander erlaufen, sondern geschwungen sind.P1010460x*

Es ist jetzt 4. April, kurz nach 9 Uhr. In drei Stunden muss ich hier draussen sein. Bis bald, dann aus Auckland, New Zealand!

P.S.: Habe noch die Strecke zusammengerechnet, die ich in den letzten fünf Wochen zurückgelegt habe: es sind 6700 km im Bus und 1400 km bei zwei Flügen. – Gerne würde ich noch länger auf diesem Kontinent bleiben. Die Lebendigkeit, Buntheit, das oft Chaotische und Irrationale hier haben es mir angetan. Jetzt tauche ich ein in eine Welt mit völlig anderer Kultur, mit teilweise coolem (?) angelsächsischen Hintergrund? Ich liebe Überraschungen!

Valparaiso

Die bunteste Stadt, die ich je gesehen habe

Die Fahrt von Santiago dorthin führt durch von Rebbergen geprägtes Land oder durch – bereits sich herbstlich bunt färbende – Wälder. P1010370Und die Stadt selber: Kein Haus hat die gleiche Farbe wie seine Nachbarhäuser. Kommen hinzu die unendlich vielen Graffities. Wände zu bemalen, ist hier offensichtlich geduldet, vielfach wahrscheinlich sogar gewollt. Das Resultat: Eine Stadt wird zu einem einzigen, farbenprächtigen Gemälde! Ich weiss jetzt, man müsste sich tage-, ja wochenlang hier aufhalten, um diese ganze Buntheit zu erfassen. Was für unterschiedliche Welten sich hier auftun zwischen dieser und derjenigen in den Schweiz, wo jede Sprayerei wenn möglich raschestens weggeputzt wird!P1010420

P1010421Soviel ich mich erinnere, hat St.Gallen vor vielen Jahren einmal ihre ausgedienten Trolleybusse nach Chile geliefert. Sie fahren tatsächlich noch hier, in Valparaiso, herum. Immer noch mit dem gleichen, grünen Anstrich. Aber es gibt noch viel ältere Exemplare dieser Fahrzeugsorte:P1010407Mir fehlt leider die Zeit, ich schaue und staune nur, und vergesse darob das Fotografieren. Daher kann ich nur ein paar wenige Aufnahmen liefern, um zu beweisen, dass ich wirklich hier war. (Lo siento, aber ich vermisse wirklich eine „richtige“ Kamera! Ich bin mit meiner fotografischen Ausbeute überhaupt nicht mehr zufrieden; Motivationsmangel. Aber vielleicht kann ich mich doch noch abfinden mit dieser versch… Situation?) – Also noch ein paar Bildchen:P1010388 P1010391 P1010431 P1010434 P1010440 P1010444

Santiago de Chile I

Eine weitere lange Reise

26 Stunden im gleichen Bus. Zuerst das Meer rechts, die Wüste links, dann auf beiden Seiten Wüste. Genau so sehen die Bilder vom Mars aus, die ich regelmässig von der NASA per Internet erhalte.P1010293Und endlich, als der neue Tag anbricht, beginnen Pflanzen die Landschaft zu beherrschen. Ich habe den Grossen Norden hinter mir gelassen und befinde mich nun im sogenannten Kleinen Norden. Santiago rückt näher.

Da bin ich jetzt, in einem Hochhaus, ca. 25 Stockwerke. Im 11. Stock habe ich für vier Tage ein Appartement bezogen. Eine richtige, kleine Wohnung zu tragbarem Preis (50 US$/Tag), mit Kochnische, Herd, Backofen, Kühlschrank, Mikrowellenapparat, Balkon, Bad, super Internetverbindung … Was will man mehr? (Aber glaubt ja nicht, dass ich damit auf das Billig-Reisen verzichtet hätte! Santiago ist teuer, und ich schlafe seit Beginn der Reise in meinem Schlafsack. Ich hasse angezogene Betten und benutze sie deshalb gar nicht. Und 50 Dollar ist nicht viel.)P1010320 P1010329Die Aussicht gefällt mir, richtiges Stadtgefühl kommt auf. Ich mache, was ich in einem solchen Fall immer tu: ich begebe mich auf einen ersten Stadtbummel. Zum Glück habe ich nie Probleme gehabt, mir das Grundmuster einer Stadt sofort einzuprägen. Sich in Santiago zurechtzufinden, ist einfach (Schachbrettmuster im Zentrum). Ich klicke mit meiner Ersatzkamera mal hier-, mal dorthin und hoffe, dass wenigstens ein paar Aufnahmen brauchbar sind (ich merke jetzt wirklich, wie mir die gute, alte Nikkon fehlt!).

Die Plaza de la Constitución: Hier steht der Regierungspalast La Moneda. Auch eine Statue des 1973 von Pinochet gestürzten Präsidenten Salvador Allende befindet sich hier.P1010353 P1010354xIn der City, wo eine Bank neben der anderen steht (viel schlimmer als in Zürich!), bilden die allgegenwärtigen Schuhputzer quasi den sozialen Gegenpol zu den emsig herumhastenden und eitlen Bankern und Businessmen(-women). Schwer gepanzerte Spezialfahrzeuge für Geld- und Wertpapiertransporte stehen in vielen Gassen Schlange.P1010345x P1010351xSofort aufgefallen ist mir, wie sich Geschäfte branchenmässig in bestimmten Blöcken und Strassen konzentrieren. Da gibt es zum Beispiel nur Kleider- oder Schuhgeschäfte, Kopieranstalten, Elektronikartikel-Anbieter. Aber überall gibt es Apotheken – massenweise, extrem! Sind die Chilenen so krank? Oder gibt es hier noch mehr Hypochonder als in der Schweiz? Irgendwie geht bei mir die Rechnung hier nicht auf …

Die Hektik in den Strassen ist dieselbe wie in vielen europäischen Grossstädten. Alle hetzen irgendwelchen Geschäften nach – oder tun wenigstens so, als ob. Auch die Strassenverkäufer schreien sich die Stimme heiser. P1010340 P1010344 P1010360Zum Glück trifft man aber immer wieder auf Ecken, in denen es gemütlicher oder lustiger zu und her geht.P1010334xxMorgen geht´s nach Valparaiso. Hasta luego!

Iquique

Verpasst? – oder „Glück gehabt“?

Gerade mal zwei Tage, nachdem ich Iquique verlassen hatte, gab es ein starkes Erdbeben. Im Hotel, in dem ich war, hätte ich ganz bestimmt auch schnell meine Siebensachen zusammenpacken und vor einem Tsunami fliehen müssen, weil es sich praktisch auf Meeresniveau befindet. In der ganzen Stadt gibt es zahlreiche Tafeln, die mit Pfeilen anzeigen, in welche Richtung man sich bei Tsunami-Alarm bewegen soll (gilt auch für Arica, wo ich zehn Tage vorher war, und sicher für den ganzen chilenschen Norden). So etwas einmal selber zu erleben, hätte es sicher in sich gehabt. Andererseits … Reden wir über anderes! …

Arica bis Iquique: Geröll und Sand

P1010127 P1010129 P1010132Eine wunderschöne Stadt zum Entspannen

Rund 200’000 Menschen leben hier. Auf einem schmalen Streifen Ufer, im Osten eine gewaltige, 600 m hohe Kordillerenwand, mit Wüste dahinter, im Westen der Pazifik.P1010138 P1010234P1010230P1010155An der Av. Baquedano findet man noch Häuser, die genau so aussehen wie zur Blütezeit vor über hundert Jahren. Und die Trottoirs bestehen aus Holzbrettern. P1010221P1010238Elektrische Leitungen werden nicht unter dem Boden verlegt. Kostengründe? Oder wegen der vielen Beben? Ästhetische Puristen mögen sich daran stören, ich nicht. Ich finde es sogar reizvoll. Und einen praktischen Sinn muss es ja haben.P1010213Am Fischerhafen ist einiges los. Mir läuft jedenfalls das Wasser im Mund zusammen, genaus so, wie den Seelöwen, die gierig auf jeden Happen warten, der ihnen zugeworfen wird.P1010166 P1010173 P1010208Aus einem kleinen Fischerdorf wurde schnell eine Stadt, weil über den Hafen ein grosser Teil des Salpeter- und Guanohandels abgewickelt wurde. Guano ist ein mit  Phosphaten angereichertes Produkt, das aus den Exkrementen verschiedener Seevögel entsteht. Als ich nach zwei Tagen Aufenthalt in Iquique der Küste entlang fuhr, fielen mir die teilweise blendend weissen Felsen am und im Meer auf – eben Guano.P1010267d P1010274Guano wurde im 19. Jahrhundert als Dünger in der Landwirtschaft verwendet. Ausserdem wurde er – neben dem Salpeter aus den Wüsten dieser Gegend – zur Herstellung von Sprengstoffen verwendet. Es war ein Riesengeschäft!

Und wo solche lukrativen Geschäfte sind, besteht auch die Gefahr des Krieges. Es kam zum berühmten Salpeterkrieg, der von 1879 bis 1884 zwischen Chile einerseits, Peru und Bolivien andererseits ausgefochten wurde. Vor Iquique fand ein entscheidendes Seegefecht statt, zwischen Panzerschiffen der verfeindeten Länder. Chile sicherte sich schlussendlich in diesem Krieg die reichen Salpetervorkommen, die danach auch von deutschen und britischen Unternehmen abgebaut wurden.

Arturo Prat ist ein Name, den in Chile alle kennen, und unzählige Plätze und Strassen sind nach ihm benannt. Er hatte im Seegefecht vor Iquique das Kommando über die völlig veraltete Korvette Esmeralda übernommen. Hier sieht man einen Nachbau des Schiffs vom Fischerhafen aus.P1010178Prat fiel, bevor die Esmeralda durch einen Rammstoss eines feindlichen Schiffs (der peruanischen Huáscar) unterging. Das Gefecht von Iquique bedeutet für die Chilenen bis heute aber der  entscheidende Wendepunkt des Krieges. Der Jahrestag des Todes von Prat wird jedes Jahr als Gedenktag begangen, und das chilenische Staatsoberhaupt spricht vor dem Parlament seinen jährlichen Bericht an die Nation. Seit 2011 steht eine genaue Nachbildung der Esmeralda nördlich des Hafens von Iquique. Der Besuch lohnte sich!P1010182 P1010183 P1010191 P1010196Iquique wächst und wächst. Vor allem im südlichen Teil entstehen Neubauten. Viele sind Hochhäuser mit 20, 30 und mehr Stockwerken. Das ergibt auch aus erdbebenmässiger Sicht einen Sinn: Im Falle eines Erdbebens ist ein Hochhaus das sicherste Gebäude überhaupt. Es kann sich bei einer Erschütterung wie ein Grashalm hin und her bewegen und so die Energien in einer Pendelbewegung ablenken. Die Gefahr eines Einsturzes ist praktisch ausgeschlossen. Was passieren kann, ist, dass Fenterscheiben bersten oder Bilder herunterfallen. Aber das ist ja dann eine Lappalie.P1010250Und jetzt geht es weiter nach Süden. 1800 km sind es bis Santiago,oder 26 Stunden im Bus. Zuerst ein paar Hundert km rechts das Meer, links die Wüste. Erst vor Santiago wird es grün werden.