Iquique

Verpasst? – oder „Glück gehabt“?

Gerade mal zwei Tage, nachdem ich Iquique verlassen hatte, gab es ein starkes Erdbeben. Im Hotel, in dem ich war, hätte ich ganz bestimmt auch schnell meine Siebensachen zusammenpacken und vor einem Tsunami fliehen müssen, weil es sich praktisch auf Meeresniveau befindet. In der ganzen Stadt gibt es zahlreiche Tafeln, die mit Pfeilen anzeigen, in welche Richtung man sich bei Tsunami-Alarm bewegen soll (gilt auch für Arica, wo ich zehn Tage vorher war, und sicher für den ganzen chilenschen Norden). So etwas einmal selber zu erleben, hätte es sicher in sich gehabt. Andererseits … Reden wir über anderes! …

Arica bis Iquique: Geröll und Sand

P1010127 P1010129 P1010132Eine wunderschöne Stadt zum Entspannen

Rund 200’000 Menschen leben hier. Auf einem schmalen Streifen Ufer, im Osten eine gewaltige, 600 m hohe Kordillerenwand, mit Wüste dahinter, im Westen der Pazifik.P1010138 P1010234P1010230P1010155An der Av. Baquedano findet man noch Häuser, die genau so aussehen wie zur Blütezeit vor über hundert Jahren. Und die Trottoirs bestehen aus Holzbrettern. P1010221P1010238Elektrische Leitungen werden nicht unter dem Boden verlegt. Kostengründe? Oder wegen der vielen Beben? Ästhetische Puristen mögen sich daran stören, ich nicht. Ich finde es sogar reizvoll. Und einen praktischen Sinn muss es ja haben.P1010213Am Fischerhafen ist einiges los. Mir läuft jedenfalls das Wasser im Mund zusammen, genaus so, wie den Seelöwen, die gierig auf jeden Happen warten, der ihnen zugeworfen wird.P1010166 P1010173 P1010208Aus einem kleinen Fischerdorf wurde schnell eine Stadt, weil über den Hafen ein grosser Teil des Salpeter- und Guanohandels abgewickelt wurde. Guano ist ein mit  Phosphaten angereichertes Produkt, das aus den Exkrementen verschiedener Seevögel entsteht. Als ich nach zwei Tagen Aufenthalt in Iquique der Küste entlang fuhr, fielen mir die teilweise blendend weissen Felsen am und im Meer auf – eben Guano.P1010267d P1010274Guano wurde im 19. Jahrhundert als Dünger in der Landwirtschaft verwendet. Ausserdem wurde er – neben dem Salpeter aus den Wüsten dieser Gegend – zur Herstellung von Sprengstoffen verwendet. Es war ein Riesengeschäft!

Und wo solche lukrativen Geschäfte sind, besteht auch die Gefahr des Krieges. Es kam zum berühmten Salpeterkrieg, der von 1879 bis 1884 zwischen Chile einerseits, Peru und Bolivien andererseits ausgefochten wurde. Vor Iquique fand ein entscheidendes Seegefecht statt, zwischen Panzerschiffen der verfeindeten Länder. Chile sicherte sich schlussendlich in diesem Krieg die reichen Salpetervorkommen, die danach auch von deutschen und britischen Unternehmen abgebaut wurden.

Arturo Prat ist ein Name, den in Chile alle kennen, und unzählige Plätze und Strassen sind nach ihm benannt. Er hatte im Seegefecht vor Iquique das Kommando über die völlig veraltete Korvette Esmeralda übernommen. Hier sieht man einen Nachbau des Schiffs vom Fischerhafen aus.P1010178Prat fiel, bevor die Esmeralda durch einen Rammstoss eines feindlichen Schiffs (der peruanischen Huáscar) unterging. Das Gefecht von Iquique bedeutet für die Chilenen bis heute aber der  entscheidende Wendepunkt des Krieges. Der Jahrestag des Todes von Prat wird jedes Jahr als Gedenktag begangen, und das chilenische Staatsoberhaupt spricht vor dem Parlament seinen jährlichen Bericht an die Nation. Seit 2011 steht eine genaue Nachbildung der Esmeralda nördlich des Hafens von Iquique. Der Besuch lohnte sich!P1010182 P1010183 P1010191 P1010196Iquique wächst und wächst. Vor allem im südlichen Teil entstehen Neubauten. Viele sind Hochhäuser mit 20, 30 und mehr Stockwerken. Das ergibt auch aus erdbebenmässiger Sicht einen Sinn: Im Falle eines Erdbebens ist ein Hochhaus das sicherste Gebäude überhaupt. Es kann sich bei einer Erschütterung wie ein Grashalm hin und her bewegen und so die Energien in einer Pendelbewegung ablenken. Die Gefahr eines Einsturzes ist praktisch ausgeschlossen. Was passieren kann, ist, dass Fenterscheiben bersten oder Bilder herunterfallen. Aber das ist ja dann eine Lappalie.P1010250Und jetzt geht es weiter nach Süden. 1800 km sind es bis Santiago,oder 26 Stunden im Bus. Zuerst ein paar Hundert km rechts das Meer, links die Wüste. Erst vor Santiago wird es grün werden.

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