Salta

Mumien – etwas relaxen – Dinge erledigen

Salta scheint mir der richtige Ort, um ein paar Tage zu verweilen. Die Stadt ist lebendig, trotzdem übersichtlich, und sie bietet einiges an Kultur. Sie wurde 1582 gegründet, und hier hat sich mehr an kolonialer Architektur erhalten als in den meisten anderen Städten Argentiniens. DSC_1172DSC_1092DSC_1041Zentrum nicht nur der Altstadt, sondern auch kultureller und politischer Veranstaltungen ist die Plaza 9 de Julio (Argentinien erreichte am 9. Juli 1816 die Unabhängigkeit von Spanien).DSC_1063DSC_1091DSC_1048 DSC_1061 DSC_1064Hier befinden sich auch zwei interessante Museen, das Museo Historico del Norte (allgemeine Geschichte, etwas mühsam mit den Ahnengalerien, von Politikern usw.) und das MAAM, Museo de Arquelogía de Alta Montaña. Vor allem das letztere sollte man besuchen. Es ist der Inka-Kultur gewidmet, besonders auch der Bedeutung, die darin den Kindern beigemessen wurden. Die Berge waren den Inka heilig, und auf ihren Gipfeln wurden ausgewählte Kinder ausgesetzt bzw. geopfert. Sie wachten über die Menschen unten in den Tälern und Städten. Die Inka glaubten, dass diese Kinder dort oben nicht tot waren, sondern in direkter Verbindung mit den Göttern standen. Im Museum ist eine der drei Kindermumien, die 1999 am Gipfel des Llullaillaco (Vulkan, 6739 m hoch) entdeckt wurden, ausgestellt. Es ist unglaublich, wie gut der kleine Körper erhalten ist, die Haut, die Haare, aber auch die Kleider. Ihr müsstet das googeln, denn Aufnahmen waren verboten.

Salta besitzt einen Aussichtberg, 200 Meter hoch, den Cerro San Bernardo. Eine Hängeseilbahn (Teleferico) führt hinauf (70 Pesos hin und zurück). DSC_1123

DSC_1116DSC_1109Im mittleren Bild, genau in der Mitte am linken Rand, befindet sich übrigens mein Hotel; am rechten Rand, mit der Kuppel, die Kathedrale.

Die Stadt ist geschäftig, aber ich frage mich schon, wovon die unzähligen kleinen Kioske und Tiendas und Zeitungsstände und Popcornverkäufer leben. Es muss gehen (sonst gäbe es sie ja nicht). Dann gibt es die grossen Geschäfte und eine ganze Reihe von Galerien, in denen es Boutiquen und andere, für Betuchte gedachte Läden, gibt. Bis 21 Uhr, habe ich festgestellt, pulsiert das Geschäftsleben in der City. Es treten auch Musikgruppen auf. DSC_1095An vielen Kreuzungen gibt es Polizeiposten. Die Strassen sind gesäumt von vielen Restaurants. Aber irgendwann vor Mitternacht kehrt – mindestens, was die Umgebung meines Hotels betrifft, und das liegt genau im Zentrum – ziemlich Ruhe ein.DSC_1148 DSC_1151 DSC_1162Das ist übrigens mein Hotel. Mein Zimmer geht gerade auf die Strasse (1. Stock), und vorne links um die Ecke und geradeaus ist der Grosse Platz des 9. Juli.DSC_1017Damit sage ich tschüss aus Argentinien. Heute Nacht bringt mich eine 11- bis 12-stündige Busfahrt nach Chile, über den 4200 m hoch gelegen Paso de Jama.

Korrektur

Da habe ich etwas daneben gegriffen. Mein Bus geht nämlich erst einen Tag später, Also füge ich noch ein paar Bilder aus Salta an. – Am nächsten Tag, am 14. März, gilts aber ganz bestimmt: Dann bin ich hier weg.DSC_1204DSC_1222DSC_1238DSC_1243

Werbeanzeigen

Busfahrt der (ermüdenden) Superlative

Von Iguazú nach Salta

Die paar Bilder von meist schnurgeraden Strassen und endlos sich erstreckenden, fast ebenen Landschaften widerspiegeln schon etwas den Eindruck und die Gefühle, die ich während dieser 24-stündigen Busfahrt durch den Norden Argentiniens hatte. Ich habe die Aufnahmen aus dem Bus gemacht, zufällig und mehr nach Unlust und Laune. Nein, eine solche Busfahrt ist kein Zuckerschlecken.

Auch wenn die Busse erstklassig ausgerüstet sind. Ich nahm die erste Klasse (Cama Ejecutivo); sie kostet nur wenig mehr als die Semicama, lohnt sich aber auf alle Fälle. Es gibt nur drei Sitze pro Reihe, der Abstand nach vorne beträgt einen Meter, und die Lehnen lassen sich so weit zurück klappen, dass man sich fast in einem Bett fühlt. Ausserdem werden Getränke und Essen serviert! – Das unten ist der Bus, der mich nach Posada brachte. Dort musste ich einmal umsteigen.DSC_0966

In den Ländern Südamerikas gab es früher einmal ausgedehnte Eisenbahnnetze. Wegen der Privatisierung der Bahnen (sie wurden in der Folge immer mehr vernachlässigt und abgebaut), wurden im Gegensatz die Busnetze immer besser ausgebaut. Und sie funktionieren – pünktlich wie die SBB!

Diese Strassen, die hier abgebildet sind, waren nur ein Vorgeschmack.

DSC_0972 DSC_0983

Etwas Abwechslung brachten einige Stopps auch an kleinsten Haltestellen. Zwischendurch gab es sogar sichtbare Ansiedlungen (ich meine, nach unseren Begriffen Ortschaften im Sinn von geschlossenen Häuseransammlungen), die richtige Busterminals besitzen.DSC_0974

Erst richtig los ging es nach Resistencia, bis vielleicht 200 Kilometer vor Salta. Die Strasse dort verläuft etwa 500 Kilometer praktisch schnurgerade. Ob der Fahrer den Autopiloten eingeschaltet hatte? Natürlich nicht, die Crew besteht immer aus mehreren sich abwechselnden Leuten. Zum Glück befuhren wir diese Strecke in dunkelster Nacht, nur von wenigen Halten unterbrochen.

Hier noch ein paar Bilder vor dem Nachteinbruch.DSC_0989 DSC_0993

Auf diesen unendlich weiten Ebenen hat früher einmal Urwald gestanden. Könnt ihr euch das vorstellen? Heute werden hier Kotelette- und Steaklieferanten – Rinder halt – gemästet. „Gesund“ leben sie allerding, denn ihr Auslauf ist fast grenzenlos …DSC_1001

Aufgefallen sind mir riesige Aufforstungen, mit Nadelbäumen, die etwa wie Föhren aussehen, aber gerade Stämme haben. Wie riesige Plantagen werden sie angepflanzt. Sie wachsen offenbar schnell und werden ebenso schnell wieder gefällt, wenn Nutzholz daraus gewonnen werden kann. – Monokultur eben, wie früher bei uns, als man glaubte, mit reinen Fichtenwäldern das forstwirtschaftiche Ei des Kolumbus gefunden zu haben.
DSC_1000 DSC_1004

Am frühen Morgen tauchten dann die ersten Berge auf, Ausläufer der Anden … Geschafft!DSC_1013

Die Reise war insgesamt fast 1500 Kilometer lang und dauerte fast genau 24 Stunden. Preis:  ARP 870 (= CHF 97). – So was gibt’s …

Entschuldigt die schlechte Qualität der Fotos. Aber ich war echt etwas unmotiviert und vor allem müde; und die Busfenster waren auch nicht glasklar … Alles klar?

Seitenwechsel: Foz do Iguaçu

Nochmals wie am Vortag – aber diesmal von Brasilien aus

Die Nasenbären sind allgegenwärtig. Sie kennen alle Tricks, um die Touristen weich zu machen. Vollgefressen, sieht man sie so …

DSC_0890Wenn sie was wittern, kennen sie kaum Grenzen – und zeigen eine verblüffend hohe Intelligenz …DSC_0909

*DSC_0903

Der Reiz ist gross, wenn mal schon mal hier ist, dass man sich eine so imposante Sache wie diese Fälle aus mehreren Perspektiven anschauen will. Der Bus nach der brasilianischen Seite kostet 80 argentinische Pesos. Dort angekommen, muss man nochmals den Eintritt in den Nationalpark bezahlen (als Ausländer, mit Transport, 50 Real, ca. CHF 19). Wer nur einen Tag dorthin geht, muss halt Kreditkarte benutzen, da sich ein Wechseln von Cash in Brasilianische Real kaum lohnt, wenn man dann doch nur mehr oder weniger viel davon übrig hat und das Land wieder verlassen muss. Das sind alles Währungen, die so gut wie nicht mehr in „harte“ Währungen zurückgetauscht werden könnenDSC_0913

Die brasilianische Seite hat enorme Reize, was die Aussicht auf die Fälle betrifft. Vor allem, wer Panoramaansichten sehen will, sollte dorthin gehen. Die touristischen Einrichtungen sind „geschliffener“ als auf der argentinischen Seite. Schon fast Vergnügungspark-mässig.DSC_0919

DSC_0922DSC_0925Beide Seiten haben ihren Reiz in wirklich den unterschiedlichen Aussichten auf das Naturspektakel. Und den Verantwortlichen beider Seiten ist es absolut ernst mit ihren Naturschutzprojekten!DSC_0927 DSC_0936 DSC_0938 DSC_0942 DSC_0947

Morgen geht es dann weiter, 24 Stunden im Bus nach Salta, einer Stadt im Nordwestzipfel dieses unermesslich grossen Landes. Ihr werdet hören von mir.

Iguazu – die Cataratas

Whow!…

Mittwoch Morgen, 5. März. Alles klappt, das Taxi zum Flughafen Aeroparque Jorge Newberry (100 Pesos), der Flug, die Ankunft auf dem kleinen Flughafen von Puerto Iguazú. Taxi zum vorausbestellten Hotel. Und da war ich nun gespannt, auf was ich mich da eingelassen hatte. Die Lage stimmt, nur 200 Meter weiter oben ist der Bus-Terminal. Aber zwischen dem Hotel in BUA und diesem hier stehen Welten. Das Wasser tröpfelt nur, Klo-Papier: etwa 20 übrig gebliebene papeles, wahrscheinlich von einem Gast hiergelassen; und ich bin nun definitiv froh, dem Ratschlag gefolgt zu sein, eine eigene WC-Rolle (das ist absolut erst gemeint!) mitzunehmen …DSC_0718DSC_0719DSC_0727

Mit der Internetverbindung hatte ich einmal mehr Probleme. Ich konnte den Blog nicht weiterführen (weshalb jetzt ziemlich viel aufs Mal nachgeliefert wird). Und vor allem musste ich wieder Mal meine Liebste wie auf Nadeln sitzen lassen, weil ich ihr keine E-Mail schicken kann. Sorry, Schatz! Ma’af! Permisi!

Der nächste Tag (Do, 6. März) aber hat mich dann für alles entschädigt. Für 70 Pesos (ida y vuelta) fuhr ich zum Parque Nacional Iguazú, um mir diese weltweit einmaligen Wasserfälle anzuschauen.DSC_0729DSC_0739

DSC_0748 DSC_0767 DSC_0789 DSC_0791Man muss sich das so vorstellen: Alles zusammen ist 50-mal so breit wie der Schaffhauser Rheinfall, und das alles müsste noch einmal drei- bis viermal übereinandergestellt werden. Auf einer Länge von 2.7 Kilometern stürzen sich hier Wassermassen in 80 Meter Tiefe!DSC_0756 DSC_0799 DSC_0802 DSC_0813

All das liegt im Urwald. Die Organisation für seinem Schutz (es sind nur noch winzige Reste gegenüber zu Beginn der weissen Kolonisations vorhanden) wird anscheinend rigoros durchgeführt. Aber mir war sofort klar, dass auch das mit dem ursprünglichen Urwald fast nichts mehr zu tun hat. Die so wichtigen, hochstämmigen Bäume (40 Meter und mehr), die dem Wald sein primär schützendes Dach lieferten, sieht man kaum mehr. Anstelle des ursprünglichen Waldes hat sich hier ein sogenannter Sekundärdschungel entwickelt, der kaum über 15-20 Meter hinauswächst. Trotzdem ist es höchst wichtig, dieses Reservat zu erhalten. Immer noch gibt es hier Tiere wie den Tapir oder den Langschnabel-Tukan. Gesehen habe ich keinen von beiden, aber andere Tiere schon. Einen Alligator zum Beispiel, der knapp hinter einem Absturz des Wassers in die die Tiefe auf Beute lauerte. Und unglaublich freche, Waschbären-ähnlich Tiere (Name muss ich nachschauen).

Ich zeige nur noch einige Fotos. Worte füge ich keine mehr hinzu. Es ist einfach überwältigend! Die folgenden Bilder zeigen die Garganta del Diablo, den Teufelsschlund.DSC_0830 DSC_0839 DSC_0847 DSC_0864 DSC_0865 DSC_0874 DSC_0877 DSC_0878

Buenos Aires IV

Es gäbe so viel zu entdecken, aber …

Die letzte Nacht war stürmisch und regnerisch. Vorzeichen von Herbstwetter? In Richtung des Atlantiks (den man nicht sieht) ziehen im Laufe des Tages gewaltige Wolkentürme auf. Und es wird wieder heiß und schwül.

BUA zeigt sich auch von seiner brutal-„schönen“ Seite. Man muss nur nicht zu feige sein, auch um die Ecke zu schauen. Der schöne Schein am Tag, zum Beispiel auf der Einkaufsmeile Florida, trügt. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich in dieser Stadt sind äusserst hoch. Und von den Blüten, zu denen Grundstückspekulationen führen, zeugen unzählige Baulücken, halb abgerissene oder abgefackelte Gebäuderuinen, in denen Obdachlose hausen. Manche Stadtautobahn endet abrupt als skurrile „Skulptur“, die einfach in den Himmel ragt und im Nichts endet.DSC_0467 DSC_0466DSC_0488 DSC_0489

Wollte heute eine Ansichtskarte für Helmut Etter, einen befreundeten Künstler, zur POST bringen. Dabei wurde mir aber schnell klar, dass man beim Thema „Post“ in diesem Land an fast unüberwindliche Grenzen stösst – vor allem, wenn einem wenig Zeit zur Verfügung steht. Ich habe in BUA nur noch diesen Tag – und da ging die Post halt nicht ab … Auf der Webseite http://www.correosargentino.com.ar versuchte ich, Poststellen auf Stadtgebiet zu finden. Vergiss es! Mit einem Kellner unterhielt ich mich darüber. Ich war in einem Cafe, an der berühmten Avenida de Mayo. Ja, es gibt hier eine Poststelle, tatsächlich!, fast gegenüber, auf der andern Strassenseite, Nummer 770. Aber – lo siento – cerrado! Und das an diesem Ort in zentralster Geschäfts- und Tourismuslage, um 15:30 Uhr. Der Mann bestätigte mir, dass das Problem der Post in Argentinien eine völlig ungelöste Frage darstellt. – Im Reiseführer von Know How über BUA sind vier Poststellen angegeben. Und die haben zu. Man muss sich das einmal vergegenwärtigen: 4 Millionen Einwohner, vier Poststellen – eine auf eine Million Einwohner? (Wie kriegen denn die Leute überhaupt die Steuer- und andern Rechnungen zugestellt? … Haha! …) Die Vorstellung ist so extrem, so absurd!DSC_0473 DSC_0465 DSC_0461 DSC_0470

Wenn wir schon bei diesen – fast – existentiellen Probleme sind, möchte ich noch eins antippen, ein dringliches, das für fast alle Städte gilt: Wie steht es denn mit den öffentlichen Toiletten? Gibt es überhaupt solche hier? Ich habe jedenfalls keine gefunden. Hatte auch zu wenig Zeit, um mich bei den Porteños zu erkundigen, wo sie ihre kleinen Geschäfte erledigen. Jedesmal in ein Café gehen? (würde allerdings die Geschäftsumsätze und die zwischenmenschlichen Kontakte fördern …). – Aber ich weiss, da besteht nicht nur in BUA Handlungsbedarf.

Die Madres de la Placa de Mayo: Sie sind immer noch da, wenn auch nicht mehr nur die Mütter, sondern auch ihre Töchter und Grosskinder. Sie erinnern an eines der schlimmsten Kapitel in der argentinischen Geschichte, an die faschistische Militärdiktatur von Jorge Rafael Videla, der Tausende „verschwundene“ Söhne und Töchter zum Opfer fielen, entführt, erschossen, aus Flugzeugen über dem Atlantik bei vollem Bewusstsein ins Meer geschmissen. Der Terror dauerte von 1976 bis 1981. Immer noch erinnern Transparente, ein paar Kreuze und unermüdlich für eine bessere Welt einstehehende Menschen an diese Zeit. Ihre Botschaft ist klar: Nie mehr Faschismus! Nie mehr Diktatur!DSC_0699 DSC_0701 DSC_0702

Östlich vom Hafen Madera aus erstreckt sich das Quartier La Boca. Ich habe es, vor allem aus zeitlichen Gründen, ausgelassen. Abgesehen davon, dass das Quartier wegen der hohen Kriminalitätsrate verschrien ist. Es muss ein sehr bunter Stadtteil sein und ist auch die Hochburg des argentinischen Fussballs. Hier befindet sich nämlich das berühmte Stadion La Bombonera (eines von 60 allein in BUA!), und hier ist unter anderem Maradona gross geworden. – Aber ein paar Bildchen habe ich am Rande doch gemacht. Ist sie zum Beispiel nicht hübsch, die kleine, russisch-orthodoxe Kirche? Oder das blaue Holzhaus, das nur Fassade ist? – Auf Schritt und Tritt gibt es viel zu entdecken.DSC_0257 DSC_0263 DSC_0266 DSC_0277

Das waren einfach noch ein paar Eindrücke, aufgenommen, bevor ich ins Hotel zurück ging, den Rucksack packte – und den Eindruck hatte, dass ich ihn vollgestopfter hatte, als bei meiner Abreise. Was natürlich nicht stimmt. Denn einige Papiernastücher und Notizzettel habe ich weniger „an Bord“ …

Zwischenspiel Uruguay

Colonia del Sacramento

hübsch, aber eigentlich nur Tourismus

Der Titel sagt es genau: Die kleine Stadt Colonia del Sacramento – auf der urugayischen Seite des Rio de la Plata gleich gegenüber Buenos Aires gelegen – hat zwar eine grössere Bedeutung in der Geschichte der spanischen Kolonisierung Südamerikas gehabt. Davon zeugen zahlreiche Mauerreste von ehemaligen Befestigungen und Forts. Auch viele Häuser sind im kolonialen Originalstil restauriert worden. Aber im  Grossen und Ganzen gesehen ist das  alles doch eher zu vergleichen mit Alberobello in Apulien, Rothenburg ob der Tauber in Süddeutschland, oder mit Ballenberg in der Schweiz. Schön zurechtgemacht für Devisen bringende Touris. Also, ich fühlte mich hier nicht mehr so recht in Südamerika.

DSC_0538Die Überfahrt machte ich mit einem der kleineren Katamarane von Coloniaexpress. Nicht einmal eineinhalb Stunden braucht der Kahn für die Strecke.

DSC_0512Die Konkurrenz von Bouquebus setzt dafür grössere Schiffe ein, darunter solch abenteuerliche Riesenkatamarane, wie man sie ungefähr in James Bond-Filmen schon gesehen hat. Sie haben etwas Bedrohlich-Faszinierendes an sich. Und machen einen Höllenlärm.DSC_0635 DSC_0638 DSC_0669

DSC_0554Am berühmtesten ist der hübsche Leuchtturm. Schön präsentiert sich auch das Kulturzentrum, das auf dem Gelände eines ausrangierten Bahnhofs errichtet wurde. Übrigens, schaut euch mal das Bild mit der Lokdrehscheibe und dem Wasserturm an: Hier haben sie genau das gemacht, was auch in St.Gallen (CH) und anderswo gemacht wurde. Sie haben eine alte Lokremise in ein Gebäude verwandelt, das jetzt kulturellen Zwecken dient.DSC_0547 DSC_0550DSC_0519DSC_0576 DSC_0581 DSC_0595 DSC_0599 DSC_0602 DSC_0624Ich geniesse eine Stunde der Stille am Meer, beziehungweise des hier 30 Kilometer (oder mehr) breiten Rio de la Plata, der sich gelblich braun in den Atlantik vorschiebt. Vom argentinischen Ufer sieht man vorerst nichts. Klar, weder in Uruguay noch in Argentinien erhebt sich hier nicht die Spur eines grösseren Hügelzugs, so dass man dessen Silhouette sehen könnte. Gegen Abend kommen aber starke Winde und klare Luft auf. Und siehe da, ganz weit entfernt zeigt sich die Skyline von Buenos Aires …DSC_0672

Mein Fazit: Die Reise nach Colonia del Sacramento muss nicht sein. Besonders dann nicht, wenn man nicht viel Zeit hat. Aber Uruguay würde mich für mehr als nur einen Tag reizen. Ich vermute, dass dieses Land ein paar ganz schöne Überraschungen parat hat.

P.S.: Als Folge der Auswanderung vieler armer und ärmster Schweizerinnen und Schweizer im vorletzten Jahrhundert (die Schweiz war eines der Armenhäuser Europas!) enstanden in vielen neuen Ländern Schweizer Kolonien, in Uruguay die Kolonien Nueva Helvecia 1861 und 1869 Nouvelle Berne. Googelt doch mal danach; ist hochinteressant!

Buenos Aires III

Der unglaubliche Markt von San Telmo

Ich habe mir natürlich schon länger einige Informationen über BUA zusammengetragen. So wusste ich, dass jeden Sonntag im Quartier San Telmo ein riesiges Marktspektakel stattfindet. Vom Hotel aus musste ich zu Fuss nur einige Blöcke weiter, schon befand ich mich mittendrin. Und tatsächlich, keine Beschreibung, die ich gelesen habe, war nur eine Spur übertrieben! – Ich hänge jetzt einfach einmal kommentarlos ziemlich viele Bilder an:

DSC_0319

DSC_0329DSC_0336DSC_0374DSC_0369DSC_0346DSC_0359DSC_0367DSC_0378DSC_0391DSC_0392DSC_0390Dieser Markt ist Flohmarkt, Kunstmarkt, Ansammlung von Schaustellern, Schauspieler/-innen, Musikgruppen aller Art. Volksmusik, hervorragender Folk-Rock – und natürlich Tango. Immer wieder Tango. Er wird gespielt und getanzt an verschiedensten Orten und Ecken. Alte und Junge, Männer in dandyhafter Aufmachung oder aber in ausgebeulten Hosen mit losen Hosenträgern, Frauen in kurzen oder langen, hoch aufgeschlitzen Röcken und oft überschminkt.

Keine Sekunde lang wird es mir langweilig, und ehe ich es versah, waren fünf oder sechst Stunden verflogen. Und nicht zu vergessen: das überschwängliche Angebot von Essen und Getränken. In den Strassen, wo der Markt stattfindet, gibt es unzählige Restaurants und Cafes. Auch Galerien sind zahlreich, in denen Kunsthandwerk und Kunst angeboten wird. Oder halt auch einfach Kitsch. Allerdings auch viel Kitsch von der besten Sorte! Eine unglaubliche Fundgrube für Sammler und Liebhaber auch der skurrilsten Gegenstände.

DSC_0402DSC_0409DSC_0416DSC_0429DSC_0439DSC_0435DSC_0440DSC_0446DSC_0454

Buenos Aires II

Auf Erkundungstour

Habe mich gestern etwas verlaufen. War unten am Hafen, habe mir die – scheusslich (!) gelegene – Ablegestelle des Schiffs angesehen, das ich am Montag nach Uruguay benützen werde. Beim Heimweg zum Hotel habe ich eine falsche Richtung eingeschlagen und fragte schliesslich einen älteren Mann nach dem centro de la ciudad. Er hat mich zur nächsten Bushaltestelle begleitet. Wir haben uns die ganze Zeit glänzend unterhalten. – Und ich staunte später, wie gut ich mich mit Spanisch verständigen konnte!

DSC_0284DSC_0288Die Temperaturen hier sind immer noch sommerlich heiß/schwül, obschon es bald einmal Herbst ist. Und ich sagte dem Mann, dass es en mi pais auch nicht so richtig nach Winter aussähe, sondern eher schon nach primavera. Also etwas abnormal … Der Mann hat mit dem Busfahrer gesprochen. Ich sagte, dass ich aber keine elektronische SUBE-Karte hätte (diese wurde eingeführt wegen des notorischen Kleingeldmangels). Und los ging es, ohne zu bezahlen! Der junge Busfahrer winkte nur lachend ab und gab Gas. (Das ist eine Erfahrung, die ich mehrmals in andern Ländern gemacht habe – nur nicht in der Schweiz …)

DSC_0241DSC_0088A propos Kleingeld: Allen Besucher/-innen Argentiniens rate ich, zu Hause einige Scheine in argentinischen Pesos zu beschaffen. Und wenn ihr dann dort seid, müsst ihr eine kluge Taktik entwickeln, dass ihr an kleinere Scheine kommt. Am besten in grösseren Läden und offiziellen Büros (z.B. für Ticketbeschaffung fürs Weiterkommen etc.) einkaufen. N.B.:In vielen Taxis steht gleich angeschrieben, dass 100-Peso-Scheine gar nicht gewechselt werden! Auch müsst ihr auf die Preise achten, denn die Inflation hier ist momentan enorm!

DSC_0236Aber die Leute hier sind – meine kleine Erfahrung – äusserst hilfreich und freundlich. Sie geben Dir anyway Tipps fürs Weiterkommen.

Buenos Aires I

Erst mal leer schlucken und dann rein …

Noch lag eine der Städte, die ich schon immer besuchen wollte, in weiter Ferne. Beim Rausschauen blinzelte mir der Mond mal rasch zu…

DSC_0039

In BUA (Buenos Aires) angekommen und ein Taxi genommen. Der Flughafen – EZEIZA –  ist erstaunlich klein, kleiner wie Zürich. Wegen Demos musste der Fahrer mehrere (!) Umwege machen, was ich eigentlich genoss. So erhielt ich einen guten, ersten Eindruck dieser 4-Millionen-Einwohner-Ansiedlung. Schon in den Vororten fallen die zum Teil bizarrsten Architekturen auf. Abenteuerlichste An- und Aufbauten an zehn-, zwanzig-, dreissig-stöckigen Wohntürmen, schwarz-grau, oft mit buntesten Graffities bemalt, so aussehend, als könnten sie jederzeit zu Staub zerbröseln.

DSC_0246

Weiter weg meist schwarz schimmernde Monolithen, Türme von Firmen, die alles überragen, wie der  Dagobertsche Tresor die niedrigen Gebäude von Entenhausen überragt.

DSC_0101

DSC_0057

Endlich erreichen wir die Monsterstrasse Avenida 9 de  Julio, die mit ihren mindestens 20 Fahrspuren eher einem Kilometer langen Platz gleicht, als einer Strasse. Und in einer der – wie auf einem Schachbrett angelegten – Nebenstrassen lande ich in meinem Hotel. Coole Bude, alles vorerst ok.

DSC_0078DSC_0087

Unternehme eine erste Erkundigung der näheren Umgebung. Erster Eindruck: Diese Stadt ist gewaltig, und ganz nach meinem Geschmack. Das fühle ich! Hier vibriert etwas, das mir in der Schweiz abgeht. Es ist keine „schöne“ Stadt, abgesehen von vielen architektonischen Highlights vor allem aus dem letzten Jahrhundert (Art Deco, Jugendstil, fantastische Gebäude).

DSC_0118DSC_0196

Am ersten Tag darauf gings zu Fuss (wie anders sollte man denn eine Stadt erleben?!) durch die City zum alten Hafen, dem Puerto Madero. In den digues – den Docks – sieht es etwa gleich aus wie in andern Hafenstädten (London, Hamburg), wo die alten Lagergebäude von Spekulanten, Investoren und Schickimickis in unzählige Restaurants, Luxusapartements und Boutiquen umfunktionert wurden.

DSC_0139DSC_0174

Rund um die alten Docks ragen überall auch Wolkenkratzer in die Höhe, zum Teil von der grässlichsten und bedrohlichsten Art. Es gibt schönere Skylines, das steht  schon mal fest. Aber das  ist ja nicht DIE Stadt! Denn darunter und dazwischen pulsiert das, was man LEBEN nennt. Und wie!

Ganz nebenbei habe ich mir noch ein Ticket ergattert, für nächsten Montag, nach Uruguay.