Arica

Grenzstadt – reizvoll, aber arm

Umgeben von Wüste, Wüste, Wüste, landschaftlich dominiert durch den 260 Meter hohen Felsrücken Morro de Arica, leben hier rund 175’000 Menschen. Haupteinnahmequelle ist der – kleine – Hafen. Er ist auch wichtig für das Binnenland Bolivien, das hier Sonderrechte geniesst. Und ab und zu legen hier Kreuzfahrtschiffe an. Diese und der Badetourismus – Kilometer lange Strände – bringen etwas Geld in die sonst arme und – bis auf wenige Strassen im Zentrum – verlotterte Stadt. Dennoch hat sie mir auf Anhieb gefallen. Bald erschien sie mir wie eine Mittelmeerstadt.

Und auch mit dem Hotel hatte ich Glück. Völlig unscheinbar liegt es hoch oben am Hang des Morro, gleich beim Eingang zum Weg, der auf diesen hinaufführt. Mein Zimmer ist super, mit direktem Blick auf den Hafen. Auf das Personal trifft dasselbe zu. Nur mit der Internetverbindung klappt es überhaupt nicht.DSC_1731 DSC_1761Die steile Strasse, die direkt ins Zentrum führt, und wo links der Eingang zum „Hostal Le Petit Clos“ zu sehen ist:DSC_1740 P1000560Es gibt hier eine Kirche, die Iglesia San Marcos, die 1875 als Fertigbau-Eisenkonstruktion gebaut wurde. Ihr Architekt wurde ein paar Jahre später weltberühmt, mit einer andern Eisenkonstruktion: Alexander Gustave Eiffel, der Erbauer des gleichnamigen 300-Meter-Turms in Paris.DSC_1750 DSC_1754 DSC_1758 P1000552Während der ersten Nacht meines Aufenthalts hier legten gleich zwei Kreuzfahrer an. Ihren Bäuchen entströmten vor allem US-amerikanische Touristen gesetzteren Alters, wie ich am Tag darauf auf dem Morro und unten, auf dem Markt, feststellte.DSC_1777 P1000492Vergnügen (eine Art Luxus) und Containerhafen (Schwerarbeit) nebeneinander im gleichen, relativ kleinen Hafenbecken …P1000526Im nördlichen Teil des Hafens liegen die Fischerboote, die man den ganzen Tag knapp vor der Küste mit Schleppnetzen hin- und her tuckern sieht.P1000514Die Stadt ist, ausser vom Meer, rund herum von Wüste umgeben. Im Norden entstehen riesige Neubausiedlungen. In der Nacht sieht man sie als endlose, sich verlierende Lichterkette.P1000503 P1000544 P1000565Wegen fehlendem Internetzugang musste ich auf Internetcafés ausweichen. In dieses zum Beispiel, geführt von zwei älteren Damen, die eine an der Kasse, die andere uns an den alten PC’s und Klappertastaturen beratend zur Seite stehend.P1000556Hier sollte eigentlich eine Bahn nach der Peruanischen Grenzstadt Tacna abfahren. Wenn sie jetzt nicht fährt, kann es noch nicht so lange her sein, dass ihr Dienst – vorübergehend? – eingestellt wurde.P1000484Am zweiten Tag merkte ich, dass mit meiner NIKON irgendetwas nicht mehr stimmt. Da überkam mich einige Momente lang eine Stimmung wie auf diesem Bild:P1000547Mir war sofort klar, dass sie für den Rest meiner Reise soeben ausgestiegen war. Die Elektronik. Kann man nichts machen. Nun, fast 2000 Aufnahmen hat das alte Mädchen noch geschafft. Was für eine gute Nase hatte ich doch, dass ich mir eine Ersatzkamera gekauft hatte, eine kleine zwar, aber für den Rest der Reise kommt jetzt halt sie zum Einsatz.

Morgen früh geht’s weiter, nach Peru. Bin gespannt!

Valle de la Luna

Mond oder Mars oder?

Die geologische Formation, die man heute eben „Tal des Mondes“ nennt, bildete sich vor 22 Millionen Jahren heraus. Sie ist so einmalig, dass sie zum Naturwunder erklärt wurde und dementsprechend geschützt wird. Die geologischen Schichten sind vielfältig, Salz liegt auf irgendeinem harten Gestein, dann hatte sich wieder eine Schicht Vulkanasche und -geröll darauf abgelagert, usw.. Durch die Erosion entstanden riesige Dünen, aber auch seltsamste Türme und Gesteinsbrocken bildeten sich heraus bzw. wurden ab- oder herausgeschliffen. Die berühmteste Gesteinsgruppe heisst „Die drei Marien“. Von einer diese grossen Dünen aus kann man einen beeindruckenden Sonnenuntegang erleben. Und besonders eindrücklich soll sich das Tal bei Vollmondlich präsentieren. Ich hatte leider nicht die Möglichkeit dazu, obschon gerade etwa Vollmond war. – Fertig der grossen Reden. Ich zeige einfach ein paar Bilder.DSC_1552 DSC_1563

Das da unten sind die drei Mariechen. Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, die links scheint mir doch sehr einem Frosch zu gleichen…

DSC_1608 DSC_1612Man kann eine Salzhöhle besuchen, besser: durchkriechen. Etwa 100 Meter windet man sich da durch einen engen Gesteins- und Salzschlauch. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden Stirnlampen abgegeben. Die Schatten auf dem dritten Bild zeigen sich auf von purem Salz überzogenen Fels (der rechts bin übrigens ich).DSC_1587 DSC_1594 DSC_1600Das Weisse ist kein Schnee, sondern Salz. Und in solchen Formationen, wie auf dem zweiten Bild, sieht man schön die geologischen Schichtungen.DSC_1614 DSC_1621Womit wir uns auf dem Weg zum Sonnenuntergangsspektakel machen, wo wir schon eine ganze Schar auf der Krete erblicken …DSC_1622 DSC_1628 DSC_1632 DSC_1638… und uns alsbald auch unter diese bunte Gruppe mischen (es sind sicher zweihundert oder mehr Menschen über den ganzen Dünenrand verstreut).DSC_1643 DSC_1644 DSC_1653Und dann ging sie unter, und es war vorbei. Und es wurde fast schlagartig kühl. Etwas Warmes zum Anziehen mitzunehmen, ist ratsam.DSC_1665 DSC_1667Das wär´s gewesen. Für heute. Morgen werden wieder Hunderte dasselbe, faszinierende Schauspiel erleben.

San Pedro de Atacama

Die Atacama-Wüste

Diese Wüste – sie liegt rund 2500 Meter hoch – ist nicht nur eine der trockensten, sondern auch eine der menschenverlassensten Gegenden der Erde. Es gibt hier Orte, an denen seit Jahrzehnten kein Regen mehr registriert wurde. Im Kerngebiet, auf 23’400 km² leben knapp 6000 Menschen. Die Tage sind heiss, 30°C, die Nächte kalt, im Extremfall bis -15°C. Vermutlich wurde sie schon vor 11’000 Jahren VC besiedelt.

San Pedro de Atacama …

… ist eines von neun Oasendörfern; etwa 2000 Menschen leben hier. Vor langer Zeit war hier eine Festung der Atacama-Indianer, später war es ein Stützpunkt der spanischen Eroberer. Vor 100-200 Jahren kamen die Haupteinnahmen von durchziehenden Karawanen,  heute vom Tourismus. Viele Naturwunder und Sehenswürdigkeiten befinden sich in der Nähe, und der verkehrsmässige Anschluss ist sehr gut. Aber: Viele Chilenen aus Santiago und zugewanderte Europäer scheinen das Tourismusgeschäft zu beherrschen. Das führt oft zu Spannungen mit den Einheimischen, die sich übergangen oder betrogen fühlen (habe ich gelesen).

Wer den Bus verlässt und sich einmal umschaut, mag sich fragen, wo er denn gelandet ist. Es sieht wirklich alles nach „Provisorium“ aus.DSC_1417 DSC_1534DSC_1389Das da unten ist mein Hostal, „Nuevo Amenecer“. Und ein Blick von der Terrasse vor meinem Zimmer aus, direkt auf den Licancabur.

DSC_1535DSC_1528Aber wenn man einmal im Zentrum gewesen ist, fühlt man sich schnell wohl hier. Das Dorf selber ist ganz nach spanischem Kolonialistenmuster aufgebaut, alles um einen zentralen Platz und ziemlich schachbrettartig angeordnet. Das gilt für das historische Zentrum, das mit seinen eingeschössigen Bauten aus Lehmziegeln und oft bunt angestrichen, sehr hübsch aussieht.

DSC_1543DSC_1385Die Geschwindigkeit jeglichen Verkehrs ist auf 20 km/h beschränkt. Velos sieht man Dutzendweise, man kann sie an allen Ecken mieten.

DSC_1679 DSC_1693DSC_1386Sehenswürdigkeiten: Zwei  habe ich mir angeschaut. Da ist einmal die 1744 erbaute Kathedrale (wird im Moment renoviert).

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DSC_1682Sie ist, wie die meisten Häuser hier, aus luftgetrockneten Lehmziegeln erbaut, sogenannten Adobe. Die Dachkonstruktion ist interessant: Sie besteht aus Kaktusholz und wird, statt von Nägeln und Holzdübeln, mit Lederriemen zusammengehalten.

Mir gefiel auch das Museo Arquelógico Padre Gustavo Le Paige. Wahnsinn, was dieser Pater aus der Umgebung zusammengetragen hat. Es gilt als eines der besten historischen Museen Chiles überhaupt.

Umgebung: Die Zeit reichte, um mir zwei Sehenswürdigkeiten nicht entgehen zu lassen:

Pukará de Quitor: Habe mich also zu Fuss aufgemacht, drei Kilometer weit (ein Weg) durch die brütende Hitze, dann einen Berg rauf (puh!), aber es hat sich gelohnt.DSC_1452 DSC_1458Die Festung von Pukará de Quitor war der letzte südliche Rückzugsort der hier im 15./16 Jahrhundert herrschenden Inkas. 1540 wurde sie von den Spaniern erobert. Die Eroberung soll nur mit dreissig Mann gelungen sein. Grund: Die Inkas hier kannten weder Pferde noch eiserne Helme noch Feuerwaffen. Die Bevölkerung wurde massakriert, und die Eroberer errichteten In der Oase, die sich heute San Pedro nennt, einen Stützpunkt.

DSC_1472DSC_1524 DSC_1525Ein gut ausgebauter Weg führt an der terrassenförmig an einen steilen Hang gebauten Festung vorbei auf einen Hügel, von dem aus man eine fantastische Fernsicht auf die Oase San Pedro und den Salzsee Salario de Atacama geniesst.DSC_1479DSC_1506Wenn man in die entgegengsetzte Richtung blickt, sieht man einen Teil der Anlagen, in denen das Wasser für die Oase gesammelt wird. DSC_1510Die zweite Sehenswürdigkeit, die ich mir angeschaut habe, ist das Valle de la Luna. Dazu aber der nächste Blog-Beitrag.

Über die Anden nach Chile

Von Salta nach San Pedro de Atacama

Mit Verspätung hat es also geklappt. Bei brütender Mittagshitze entstieg ich dem Bus und fand mich in einer völlig anderen Welt als bisher auf dieser Reise. Was ich sah, war eine bunt zusammengewürfelte Ansammlung von flachdächigen Hütten, irgendwie völlig strukturlos in diese Ebene gesetzt, die eines der regenärmsten Gebiete der Welt ist. Ein Einheimischer erklärte mir den Weg zu meinem Hostel, das sich da irgendwo inmitten dieser Backstein- und Blechhütten befand. Ich fand es schnell, brauchte nur etwa 300 Meter zu gehen. Und jetzt bin ich hier und schreibe diesen Beitrag. Ich lasse es bei wenigen Worten bewenden. Die Busfahrt war traumhaft schön, quer von Ost nach West über die Anden, dieses grösste Gebirge dieser Erde.DSC_1245

Von der argentinischen Seite war nichts zu sehen. Es war Nacht. Erst kurz vor Erreichen der Grenzstation begann sich im Licht der aufgehenden Sonne die Landschaft zu zeigen.

DSC_1266 DSC_1285An der Grenzstation erwartete uns ein langwieriges Prozedere – all diese Formalitäten …DSC_1289Dann waren wir über den Paso de Jama (4200 m) hinweg, und in bunter Abfolge taten sich vor den Augen die unterschiedlichsten Landschaften auf, eine faszinierender als die andere.DSC_1290

DSC_1309DSC_1311Das Weisse ist kein Schnee, sondern es sind Salzablagerungen. Die Seen sind allerdings teilweise vereist.

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Dann tauchten die Moai de Tara auf, 20 bis 30 Meter hohe, freistehende, völlig skurrile Felsfinger. Der Name wurde den berühmten Steinfiguren auf den Osterinseln entlehnt, den „Moais“.

DSC_1339 DSC_1344DSC_1349 DSC_1360Der dominierende Vulkan dieser Gegend heisst Licancanbur und ist immerhin nette 5920 Meter hoch. Diesen Berg immer auf der rechten Seite, erreicht die Fahrt 48 Kilometer vor unserm Ziel mit 4825 Metern die grösste Höhe. So weit oben war ich, ausser in einem Flugzeug, nun wirklich noch nie …  Und auf den folgenden, wenigen Dutzend Kilometern geht es rund 2400 Meter in die Ebene hinunter. Es ist wie ein Landeanflug im Flugzeug.

DSC_1362 DSC_1363 DSC_1365 Über die Strasse unten sind wir gekommen, aus über 4800 Meter auf 2440 Meter (San Pedro). Das Foto machte ich direkt von meiner neuen Unterkunft aus.

DSC_1394Ich werde später vielleicht noch etwas Text schreiben. Ich habe hier sehr schlechte Internetverbindung, darum stelle ich diesen Bericht sofort ins Netz. Bis bald!